Vom Wunder, ein Mensch zu sein

Vom Wunder, ein Mensch zu sein

The Amazing Dunninger: „Für diejenigen, die glauben, braucht es keine Erklärung. Für diejenigen, die nicht glauben, reicht keine Erklärung aus.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Allerdings glauben wir Menschen selten das, was wir nicht verstehen. So bedarf es weiterer Erklärungen.

98,5 Prozent der Gene haben Mensch und Schimpanse gemeinsam. Das menschliche Genom besteh nur aus 23 000 Genen, und doch kann es ein Gehirn erschaffen. Der Mensch, aus Sternenstaub geboren, besitzt so viele Neuronen, wie es Sterne in unserer Galaxie gibt. Die Zahl ist im wahrsten Sinne des Wortes astronomisch: In unserer Milchstraße gibt es 100 Milliarden Sterne. Jedes Neuron steht seinerseits mit Tausenden von Neuronen in Verbindung. Daher gibt es rund 10 Millionen Milliarden möglicher Verbindungen. 

Die zwei größten Rätsel in unserem Universum sind der menschliche Geist und das Universum selbst. Die Frage: Was die Welt im Innersten zusammenhält? ist der Frage nach der Wirklichkeit geschuldet, wovon wir Menschen ein Teil sind.

Als Bewusstseinswesen sind wir großartige Denkmaschinen mit wunderbaren Ideen und Überlegungen. Aber auch mit tiefen Abgründen. Der menschliche Geist ist zu allem fähig – „vom Irrsinn bis zur Quantentheorie, von Mein Kampf und dem Sadismus bis zur Heiligkeit Philipps von Neri, von der Metaphysik bis zu Kreuzworträtseln, der Machtpolitik und der Missa Solemnis“. (Aldous Huxley 1987)

Wir Menschen sind die einzigen Wesen, die sind und doch nicht sind. Wir sind frei und doch auch nicht. Wir sind wissend und unwissend zugleich. Wir wollen das eine, tun aber das andere. Wir lieben und hassen. Wir gewinnen und verlieren. Das menschliche Leben ist voller Gegen-sätze und Widersprüche. Die negativen Folgen sind Antagonismus, Gewalt und Zerstörung, die positiven Kultur, Kunst und Verbundenheit. Wir sind wahre Kämpfernaturen. Welche Seite überwiegt, das bestimmen wir. Wir haben die Wahl: Raubtier und alles verschlingen oder Menschlichkeit und für das Gute (in uns selbst) kämpfen?

Foto: Herbert Rometsch

Wir müssen leben, bis wir sterben. So kommen wir um eine Antwort nicht herum. Leidvoller- oder glücklicherweise ist das Menschsein kein Ist- und kein Ich-Zustand, vielmehr ist es ein dynamischer Prozess des Begreifens und des Werdens, der wiederum nur in der Interaktion mit anderen möglich ist. Also nicht Ich-Ich, sondern Ich-Du. 

Auch wenn wir etwas anderes leben: Im Leben ist keine Vereinzelung möglich. Das Leben ist keine Sackgasse, es ist reziprok. – Und es ist irreversibel. Der Zeitpfeil des Lebens ist unumkehrbar. Angesichts der Ernsthaftigkeit unserer Lage sollten wir das Wesentliche verstehen: Wir müssen denken und wir müssen handeln, aber bitte „verbindlich“! Denn worauf es letztendlich ankommt, sind Gefühle und Beziehungen.

Die Antwort auf die komplexen Fragen des Lebens ist einfach. Warum ist etwas und nicht vielmehr nichts? – Weil wechselseitige Wirkkräfte am Werk sind. Alles ist durch Verbindung. Es gibt Physisches, aber nur durch die Kräfte des Zusammenhalts. Atome schwirren nicht isoliert im Universum umher, sie schließen sich – durch Bindungsenergie – zu etwas Größerem zusammen. Materie und Geist sind für sich allein nicht(s). Das Universum ist eine Beziehungssache!

Beziehungen verbinden. Was sich banal anhört, ist in der praktischen Umsetzung alles andere als leicht. Warum sonst ist die Welt nicht voller Frieden und der Mensch nicht trunken vor Glück? Intuitiv fühlen wir es: Nicht Fakten, Zahlen oder Geld machen ein gutes Leben aus, sondern das Gefühl, „wirklich“ zu sein. Auch wenn wir im Zeitalter von Fake News, Bullshit und sonstigen kognitiven Verirrungen leben, ist uns die Wahrheit (noch) wichtig. Wir wünschen uns ein wahres Leben, kein gefaktes. Wir streben nach wahrem Glück, nach wahren Gefühlen und Begegnungen. Wir wollen nicht nur einfach sein – wir wollen wirklich sein.