YOGAWORLD Satsang-Kolumne

YOGAWORLD Satsang-Kolumne

Anleitung zum Glücklichsein

Satsang kommt aus dem altindischen Sanskrit und bedeutet: Sich in der Wahrheit treffen. Traditionell wurde der Begriff für ein Zusammensein zwischen einem Meister und seinen Schülern verwendet.

Hier auf Yoga world lade ich dich dazu ein, Fragen zu stellen, die ich dann aus ganzheitlicher Sicht, auf medialer Ebene beantworte. So erhältst du eine Anleitung zu einer neuen Offenheit – dir selbst gegenüber und zu mehr Spiritualität im Alltag. Idealerweise lernst du, deine tiefsten Sehnsüchte und Träume bewusst wahr zu nehmen und dein Leben positiv zu verändern.

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Chrisha: Warum ist der erste Eindruck, den man von einem Menschen hat, so oft der Richtige?

“Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt.” Für Blaise Pascal, Mathematiker, Physiker und Philosoph ist das Herz nicht einfach ein irrationales sentimentales Ding, sondern etwas was in sich selbst begründet ist bzw. sich selbst begründet. D.h. das Herz selbst besitzt Vernunft. Es agiert nicht irgendwie aus einem bloßen Gefühl oder aus einer Laune heraus, sondern folgt einer inneren Logik. Wir verstehen unter Herz alles was mit Gefühlen zu tun hat und denken, dass es der Vernunft entgegensteht. Das ist jedoch nicht richtig. Herz ist zwar Gefühl, aber nicht Emotion. Der Unterschied zwischen Gefühl und Emotion ist der, dass eine Emotion etwas ist, was in Bewegung ist und keine beständige Substanz hat; es sind Launen, die kommen und gehen. Hingegen sind wahre Gefühle etwas Bleibendes. Denn das Wahre ist unvergänglich. So schließen sich Herz und Vernunft nicht aus, sondern bedingen einander. Ein Herz ohne Vernunft ist reine Sentimentalität und die Vernunft ohne Herz ist kalter, nackter Verstand.

Richtige Entscheidungen brauchen ein “vernünftiges Herz” oder eine “herzliche Vernunft”, sonst liegen wir garantiert falsch. Ob der erste Eindruck, den wir von einem Menschen haben, der richtige ist, hängt ganz davon ab, wie sehr wir mit uns selbst im Reinen sind. Sind wir es nicht, so wird der erste Eindruck nicht “herz-vernünftig”, sondern durch unsere eigenen Unzulänglichkeiten und psycho-sozialen Konditionierungen eingefärbt sein. Somit fehlt uns die nötige Klarheit, den Anderen so zu sehen wie er wirklich ist. Der erste Eindruck ist deshalb so oft richtig, weil wir intuitiv entscheiden, also mit dem Herz und nicht mit dem Verstand. Verstand ist nicht Vernunft! Vernunft ist eine universelle Größe, wie das Herz auch – an denen wir alle Anteil haben. Und beide bedienen dieselbe EINE Wahrheit. Der Verstand jedoch ist Sitz des individuellen Egos mit seinen Sympathien und Antipathien.

Elena: “Macht das Böse im Leben einen Sinn?”

Die Fragen nach dem Bösen und nach einem Sinn im Leben gehören zu den grundlegenden in der Menschheitsgeschichte. Beide zusammen genommen, ergeben eine explosive Mischung. Kann das Böse Sinn machen? Die Frage an sich scheint in sich schon widersprüchlich zu sein. Da die Frage nach einem Sinn die Annahme des Guten voraussetzt. Der Mensch sucht oder strebt nach dem Sinn des Lebens weil er glücklich sein will. Also könnte die Frage auch folgendermaßen lauten: Kann das Böse glücklich machen? Wohl eher nicht. Interessanterweise würden wir auf die Frage, ob das Böse im Leben einen Sinn macht ein Ja durchweg befürworten.

Die antiken griechischen Philosophen beantworteten diese Frage mit dem Begriff der Eudaimonia. Die Eudamaimonia, das Glück oder die Glückseligkeit, wird durch einen tugendhaften Lebenswandel erreicht. Grundvoraussetzung dafür ist die Autarkie, die Selbstgenügsamkeit. In den Religionen ist die Selbstgenügsamkeit Dreh- und Angelpunkt und die Grundbasis gegen das Böse. Genauer gesagt sind Selbstgenügsamkeit und das Böse Antigonisten. Wo das Eine ist, kann das Andere nicht sein. Demnach ist das Böse ontologisch nicht real, d.h. ihm selbst kommt kein eigenständiges Sein zu, sondern ist MENSCHENGEMACHT. Das Böse ist nicht in der Matrix des Universums eingeschrieben mit dem wir uns abfinden und das wir bekämpfen müssten – es existiert nicht. Nur insofern, weil der Mensch noch nicht bereit ist, für sein Handeln und Tun und somit für sein Glück, die volle und ganze Verantwortung zu übernehmen. Die Menschheit hält nochgeschlossen an dem Bösen fest, da es viel leichter ist sich klein, ungenügend und ungeliebt als groß, stark und glücklich, zu fühlen. Es ist viel einfacher das Schlechte zu sehen als an dem Guten und Schönen festzuhalten, auch wenn es nicht immer zu sehen ist. Wir verstecken uns hinter dem Bösen und benutzen es als Versteck für unsere Ängste, gefühlten Unzulänglichkeiten und vor allem für unsere Bequemlichkeit.

Der Glauben an das absolute Gute würde tiefgreifende Konsequenzen nach sich ziehen: Eine erwachte Menschheit, die nicht nur von Freiheit und Frieden spricht, sondern sie wahrhaftig lebt. Will der Mensch das Böse bezwingen, so muss er sich selbst bezwingen. Der einzige sinnvolle Weg zur Selbstmeisterung bzw. Selbstbefreiung ist von “Trennung und Wertung” loszulassen. Paradoxerweise liegt die größte Angst des Menschen im Glücklichsein obwohl er sich sein Leben lang danach sehnt. Erst wenn der Mensch von dem Gedanken eines “sinnvollen Bösen” loslassen kann, wird er wahres Glück erfahren. Denn nur das Gute bringt Gutes hervor. Und wollen wir das Gute, so müssen wir es tun.

Isabella: “Die heutige Gesellschaft ist bestimmt von Verpflichtungen, Verantwortung und Vernunft. Wie kann man trotzdem wirklich frei sein?”

Reinhard Mohn, Gründer des Bertelsmannverlag, schrieb an den Club of Rome: “Wir haben die Freiheit zum Handeln! Wir sollten sie nutzen.” Hinter diesem Appellsteckt die tiefe Einsicht, dass Freiheit zwar ein Recht ist, auf das wir alle einen Anspruch haben, jedoch zugleich mit Pflichten einhergeht. Keine Rechte ohne Pflichten.

Freiheit wird irrtümlicherweise als etwas verstanden, was vollkommen losgelöst über allem steht. Da Freiheit aber Wahlmöglichkeiten voraussetzt, bedeutet Freiheit immer Verbindlichkeit. Ob wir uns frei fühlen oder nicht, hängt ganz alleine von der Einstellung zu unseren Pflichten ab und nicht daran, ob wir welche haben oder nicht. Wahre Freiheit liegt nämlich nicht darin, das zu tun was man möchte oder liebt, sondern das zu lieben, was man tut. Denn wirkliche Freiheit kann nicht nur Freiheit von und Freiheit zu sein, sondern muss auch Freiheit von Freiheit sein. Alles andere wäre keine echte Freiheit.

Es liegt also an uns, ob wir unseren Beitrag für eine bessere Gesellschaft als wertvoll erachten oder ob wir an der Last der Verantwortung zerbrechen. Konkret gesagt: Freiheit bedeutet zu Wollen und nicht Müssen. Hierzu eine schöne Geschichte aus dem Buch Der Meister von Chao-Hsiu Chen. Es wird von der Begegnung eines Meisters und seinem Schüler mit einem Schafhirten berichtet.

Der Schüler fragt den Schafhirten: “Lebst du hier alleine?” “Nein”, antwortet dieser, “du siehst doch, ich lebe mit meinen Schafen”. “Aber du hast keine Eltern und Verwandten?”- “Nein”, wiederholte der Hirte. “Dann musst du schrecklich einsam sein”, meinte der Junge voll Mitleid […]. “Nein”, lachte der Schäfer, “ich bin nicht einsam, ich bin frei.”

“Keiner von uns ist frei”, sprach daraufhin der Meister und blickte zu den Schafen hin: “Wir sind wie sie. Ohne Fürsorge ist niemand lebensfähig. Wir sind alle aufeinander angewiesen; und deshalb haben wir Verantwortung zu tragen.”

“Aber das hieße ja, dass es gar keine Freiheit gibt”, begehrte der Junge auf. “Freiheit gleicht der Luft. Du kannst sie weder sehen noch hören; und wenn sie dich berührt, weißt du ihren Wert nicht zu schät zen. Hast du sie aber verloren, dann sehnst du dich nach ihr. Meinst du, ein freier Mann kann tun, was er will? Nein, denn er muss ebenso die Last der Verantwortung auf sich nehmen wie der Hirte, der für seine Tiere sorgt.” Da sagte der Schäfer: “Aber es ist doch selbstverständlich, dass ich für sie sorge.”

“Gerade deshalb bist du frei”, sprach der Meister und blickte gleichzeitig auf seinen Schüler.”

Sven: „Wonach sollte der Mensch sein Leben ausrichten? Gibt es dafür eine allgemein gültige Antwort? Oder ist das für jeden individuell?

Der Mensch ist ein Lebewesen. D.h. er lebt, wie alles was lebt, in einem symbiotischen bzw. kollektiven Verhältnis zu seiner Mitwelt. Leben bedeutet Gemeinschaft und Gemeinschaft wiederum Verbundenheit. Leben an sich kann also nie singulär auftreten. – Nichts existiert für sich alleine. Alles ist miteinander verbunden. – Das ist eine unleugbare Wahrheit. Das Problem des Menschen als Bewusstseinswesen ist jedoch. Er nimmt sich als etwas Getrenntes in der großen Einheit wahr. Es liegt in seiner Natur, mehr die Teile als das Ganze zu sehen. Mehr die Trennung als die Verbundenheit zu leben.

Die Folge ist Selbstbegrenzung – eine Grenze zwischen mir und anderen und anderem zu ziehen – welches wir als Ego kennen. Egoismus ist keine übertriebene Selbstliebe, sondern Einkapselung und Einsamkeit. Ängste, Blockaden, Laster, Enge, Misstrauen, Verzweiflung etc. sind Resultate dieser Verschlossenheit. Die Befreiung vom Ego und die Lösung aller menschlichen Probleme lautet Offenheit. Offenheit beinhaltet das Vertrauen in uns selbst und zugleich in die Welt. Ich und Welt sind untrennbar miteinander verbunden. Das zu verstehen, darin liegt der Sinn des menschlichen Leben oder anders ausgedrückt, das ist die Liebe nach der wir uns alle sehnen. Denn Liebe ist nichts anderes als Offenheit schlechthin, welches sich in dem kollektiven Gefühl des Mit- und Füreinander zeigt. Das was den wahren Menschen oder menschliches Leben ausmacht, ist Menschlichkeit. Die Vorrausetzung hierfür ist Annahme.



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